Offener Brief
Sehr geehrte Damen und Herren der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,
ihr Antrag ist kein Meilenstein für den Opferschutz, sondern eine ordnungspolitische und gesellschaftliche Bankrotterklärung par excellence!
Was uns hier als moderner, progressiver Schutz für Frauen im Berliner Nahverkehr verkauft werden soll, ist in Wahrheit das endgültige Eingeständnis des Staatsversagens auf unseren Straßen und Schienen.
Anstatt den öffentlichen Raum für alle Bürger zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher zu machen, kapitulieren Sie vor den Tätern.
Ihre Antwort auf sexuelle Belästigung und rohe Gewalt ist nicht Recht und Ordnung, sondern Segregation, das Wegsperren der potenziellen Opfer!
Wer Frauen in Spezialabteile verbannt, um sie zu schützen, verkehrt das Prinzip des liberalen Rechtsstaats ins Gegenteil.
Nicht die Frauen müssen sich einschränken, verstecken oder separieren lassen.
Es sind die Gewalttäter, die aus unseren Bahnen fliegen und hinter Schloss und Riegel gehören!
Wenn wir diesen Weg der freiwilligen Segregation erst einmal beschreiten, wo hören wir dann auf?
Brauchen wir bald separate Frauen-Gehwege, Frauen-Supermärkte oder Frauen-Parks nach Einbruch der Dunkelheit?
Besonders perfide wird es, wenn wir uns ansehen, welche gesellschaftlichen Vorbilder hier Pate stehen.
Die Trennung der Geschlechter im öffentlichen Raum ist kein Fortschritt, sie ist ein Kulturimport des Patriarchats.
Schauen wir doch der Realität ins Auge, eine solche erzwungene oder staatlich nahegelegte Geschlechtertrennung kennen wir vor allem aus Ländern, in denen die Rechte der Frau systematisch mit Füßen getreten werden.
Im traditionellen und fundamentalistischen Islam ist die Frau dem Mann eben gerade nicht gleichgesetzt.
Dort wird die Frau rechtlich und sozial mindergestellt, im öffentlichen Raum unsichtbar gemacht und unter dem Vorwand des „Schutzes“ und der „Ehre“ aus der Gemeinschaft gedrängt.
In vielen dieser Gesellschaften gilt eine Frau, die sich ohne männliche Begleitung oder außerhalb der für sie vorgesehenen Zonen bewegt, im Grunde als Freiwild und die Schuld an Übergriffen wird am Ende perfiderweise dem Opfer zugeschrieben, weil sie sich „am falschen Ort“ aufhielt.
Es ist eine bittere, fast schon tragische Ironie, dass ausgerechnet eine sich selbst als feministisch und antirassistisch bezeichnende Partei wie die Grünen nun Methoden beantragt, die an die Geschlechterapartheid fundamentalistischer Systeme erinnern.
Indem Sie Frauenabteile fordern, bedienen Sie genau jenes reaktionäre Narrativ, dass Männer nun einmal unkontrollierbare Triebtäter seien und Frauen sich eben anpassen und separieren müssten, wenn sie sicher reisen wollen.
Damit ebnen Sie den Weg für eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr!
Wenn morgen eine Frau im allgemeinen Wagen belästigt wird, heißt es dann bald, „Warum saß sie denn auch nicht im geschützten Frauenabteil?“.
Wir erteilen diesem rückwärtsgewandten Gesellschaftsbild eine klare Absage!
Frauen in Deutschland haben sich ihre Freiheit, ihre Gleichberechtigung und ihren Platz im öffentlichen Raum über Jahrhunderte hart erkämpft.
Wir werden nicht zulassen, dass diese Errungenschaften im Namen einer falsch verstanden Schutzpolitik geopfert werden.
Hören Sie auf, die Symptome einer verfehlten Sicherheits- und Migrationspolitik durch das Wegsperren von Frauen zu kaschieren.
Sorgen Sie stattdessen dafür, dass die Täter Angst vor dem Staat haben müssen und nicht die Frauen vor der Fahrt mit der U-Bahn!
Gez. Steve Beck

































